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Ev. Jesus-Christus-Kirche Worms-Pfiffligheim
 

Seit 1141 gab es in Pfiffligheim eine Kapelle als Filialgemeinde von Hochheim. 1304 wurde sie zur Mutterkirche (Hauptpfarrkirche Pfiffligheims) dem Heiligen Stephan geweiht. Der Ort hatte später zwei evangelische Kirchen.
Auf dem alten Friedhof (heute Pfarrhausgelände) stand bis 1823 die reformierte Kirche. Dort ist noch das gotische Friedhofsportal mit der Jahreszahl 1427 vorhanden.
Die lutherische Kirche wurde 1766 erbaut. Am gleichen Platz hatte 53 Jahre lang eine Holzkirche gestanden, die durch eine aus Stein ersetzt wurde. Die Genehmigung zum Bau einer neuen Kirche erteilte Karl-Theodor von Gottes Gnaden Pfalzgraf bei Rhein, Reichsverwalter und Kurfürst in Bayern zu Jülich durch eine Urkunde 1767. (Karl Theodor regierte von 1742-1799 in Mannheim) 
Im Oktober 1766 hatte man mit den Arbeiten begonnen. Die Gemeinde zählte zu dieser Zeit nur 50 Männer. Die Steine holte man in Leistatt, ein Maurermeister aus Worms baute die Kirche zu einem Preis von 3200 Gulden. Für 90 Gulden schuf der Kirchenmaler Velte die Bildwerke an der Decke. Nach einem Jahr Bauarbeiten wurde die Kirche unter dem Namen zur Heiligen Dreifaltigkeit eingeweiht.

Niemand starb in diesem Zeitraum in der Gemeinde. Durch die Unionsurkunde von 1822 wurde eine der beiden Kirche überflüssig. Man entschied sich dafür die ältere, baufällige reformierte Kirche aufzugeben. So wurde die ehemals lutherische Kirche (Landgrafenstraße), die zentraler lag, die Kirche der unierten Gemeinde. An den Längsseiten der Kirche waren jeweils drei Fenster. Die Orgel war im Chorraum untergebracht.
Die Kirche hatte mehrere Emporen. 1840 renovierte man die Deckenfelder. Zu sehen waren damals drei große Bilder.

1.Taufe:
Dargestellt ist die Taufe Jesu durch Johannes den Täufer im Jordan. Wir sehen Gott, Vater, wohlgefällig aus dem Himmel herabschauen.

 

 


2.Kreuzigung:
Dargestellt ist die Kreuzigung Jesu zusammen mit den zwei Verbrechern, wie sie in den Evangelien erzählt wird. "Mit ihm kreuzigten sie zwei Räuber, einen auf der rechten und einen auf der linken Seite.

 

 


3.Grablegung:

Dieses Deckengemälde kam im Erweiterungsbau 1936 in die Kirche. Jesus wird in einen Sarkophag gelegt. Die Darstellung entspricht nicht der biblischen Tradition (maximal zwei Männer und Frauen im Hintergrund). Die Anzahl der beteiligten Personen stieg mit der Popularität des Themas, hier drei
Männer und drei Frauen.


 

4.Auferstehung:
Aus einem Sarkophag ersteht Christus. Jesus hält die Siegesfahne in seiner Hand. Die Darstellung der Auferstehung Christi aus einem Sarkophag ist in den Ostkirchen unbekannt. In der westeuropäischen Kunst wird die Darstellung der Auferstehung erst von der Ottonischen Buchmalerei (10.Jh.) aufgenommen. Christus steht im offenen Sarg mit der Kreuzesfahne in der Hand. Daneben entwickeln sich Darstellungen mit mehreren Figuren (schlafende Wächter, Engel). Christus stößt den Sargdeckel nach vorne (bei uns mit Hilfe des Engels). 
Auch Darstellungen, wo er gleichzeitig segnet, sitzend oder stehend auf dem Sarg dargestellt ist, kommen auf. Im späten Mittelalter und im Barock (unsere Kirche) wird auch die Lichterscheinung Christi betont. Er hat einen Heiligenschein.
Der Mann vorne im Bild wird durch das Licht geblendet; der andere (links) flieht aus dem Bild.


Diese Darstellung kam dem Zeitgeschmack nach Bewegung und Überraschungseffekten entgegen. In der Auskehlung der Decke finden sich 12 Medaillons mit den Bildern der Apostel. Die Evangelisten - Medaillons und die Grablegung an der Decke malte man im Erweiterungsbau 1936 dazu.

Durch die Industrialisierung im 19. Jahrhundert stieg die Einwohnerzahl der Stadt Worms, ebenso die Bevölkerung von Pfiffligheim. Nach der Beschreibung von Pfarrer Otto Röschen zählte der Ort um 1900 1641 Evangelische, 199 Katholische und 17 Menschen sraelischen Glaubens, also Juden. Am Ende des 19. Jh. plante der Kirchenvorstand einen Erweiterungsbau. 1907 wurde der Kirchenbauverein mit 250 Mitgliedern gegründet. Sie brachten jährlich 500 Mark für den Kirchenbaufond auf. Der Erweiterungsbau sollte 53 000 Mark kosten. Der 1.Weltkrieg kam dazwischen.
Das mittlerweile in Kriegsanleihen angelegte Geld war bis zur Inflation auf 27 000 Mark angewachsen. Die Erweiterungspläne waren zu großzügig angelegt und scheiterten deswegen lange Zeit. 
Unter dem damals neuen Pfarrer Herrnbrodt entstanden neue Pläne, die 1936 in die Tat umgesetzt werden konnten. Der Erweiterungsbau kostete nun 37 000 Mark. Die Emporen mussten sämtlich entfernt werden, weil sie durch Holzwurmbefall morsch geworden waren. Eine neue Empore wurde an der Straßenseite angebracht, ebenso auch neue Orgel. Das Kirchenschiff wurde um acht Meter an der Nordseite erweitert und noch einmal vier Meter für die Tiefe des Chorraums. Dazu erwarb man einen Teil des Schulhofes.
Die 1887 überstrichenen Deckengemälde wurden freigelegt und restauriert, was durch Stiftungen Pfiffligheimer Familien ermöglicht wurde. Die Namen der Stifter sind auf den Deckengemälden vermerkt.

Von da an sind in unserer Kirche vier große Deckengemälde, zwölf Apostel und vier Evangelisten mit ihren Symbolen zu bewundern.
Evangelist Markus mit dem Löwen als Wüstentier (Johannes der Täufer lebte in der Wüste, Evangelist Matthäus mit dem Engel/Menschen (Jesus wird als Mensch geboren, angekündigt durch einen Engel) Evangelist Lukas mit dem Stier (der Vater von Johannes der Priester Zacharias tut Tempeldienst in Jerusalem. Ein Opfertier im Tempel war der Stier.)
Evangelist Johannes mit dem Adler (Jesus kommt aus dem Himmel auf die Erde und kehrt in den Himmel zurück. (Der Adler ist ein Tier zwischen Himmel und Erde) 

Zu den Evangelisten - Symbolen.
Die Evangelisten-Symbole sind dem Propheten Ezechiel (Kap. 10, 14: Ein jeder hatte vier Angesichter; das erste Angesicht war das eines Cherubs, das zweite das eines Menschen, das dritte das eines Löwen, das vierte das eines Adlers) und der Offenbarung des Johannes entnommen, Kapitel 4 Vers 6-8: Und vor dem Thron war es wie ein gläsernes Meer, gleich dem Kristall, und in der Mitte am Thron und um den Thron vier himmlische Gestalten, voller Augen vorn und hinten. Und die erste Gestalt war gleich einem Löwen, und die zweite Gestalt war gleich einem Stier, und die dritte Gestalt hatte ein Antlitz wie ein Mensch, und die vierte Gestalt war gleicheinem fliegenden Adler. Und eine jede der vier Gestalten hatte sechs Flügel, und sie waren außen und innen voller Augen, und sie hatten keine Ruhe Tag und Nacht und sprachen: Heilig, heilig, heilig ist Gott der Herr, der Allmächtige, der da war und der da ist und der da kommt.

Auf Beschluss des Kirchenvorstandes bekam die Kirche am Einweihungstag, 8.November 1938, den Namen Jesus Christus Kirche.
Die Innenrenovierung der Kirche wurde 1958 durchgeführt. Der Kirchenvorstand beschloss, das Fenster in der Mitte des Chorraumes zumauern zu lassen. Die Glasmalerei dort entsprach nicht mehr dem Geschmack und dem Kunstverständnis der Zeit. Das Glasfenster wurde an die rechte Seite (Ostseite der Kirche) vor die Empore versetzt, da die Nachfahren der Stifter noch lebten, sah man von einer endgültigen Entsorgung des Fensters ab. 
Im Chorraum konnte so ein großes Kreuz mit Corpus angebracht werden. Der Bildhauer Gustav Nonnenmacher wurde mit der Ausführung beauftragt. Nicht der leidende Christus ist hier dargestellt, sondern der sieghafte, der Sünde und Tod bezwungen hat und der uns mit hineinnehmen will in seinen Sieg - Philipperbrief 2. Kapitel: Er ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz.
Darum hat ihn auch Gott erhöht. Der alte Altar in Form eines großen Holzkastens wurde durch einen Sandsteinaltar in Form eines Tisches ersetzt. Er wurde von der Fa. Söller aus Freudenberg / Main geliefert. Die sechs handgetriebenen Messingleuchter schuf der Künstler H. Philipp aus Biebesheim, der seine Werkstatt in Traisa bei Darmstadt hatte. Der Taufstein wurde nach einem Entwurf von Gustav Nonnenmacher angefertigt.

 

Die Deckengemälde wurden von einem Nachkommen des ursprünglichen Kirchenmalers Velte aufgefrischt.  1964 wurde die Kirche von außen renoviert. Der alte Turmhahn konnte erhalten werden.
1975 entstand das neue Kirchenportal von dem Goldschmied H. Philipp aus Traisa. Es zeigt Szenen aus dem Leben Jesu. 1979/80 gab es abermals eine große Kirchenrenovierung. Ausgeführt wurden
folgende Arbeiten: Dachreparaturen, Anstrich der Fassade, Warmluftheizung, Restaurierung der Deckengemälde, neue Farbe für Holzwerk und Wände. Die Gemeinde fuhr während dieser Zeit mit einem Charterbus zum Gottesdienst in die umliegenden Gemeinden. Der Kirchenvorstand hatte alles bestens organisiert.



1995 wurden umfangreiche Reparatur-und Erneuerungsarbeiten am Dachstuhl und Dachbelag ausgeführt. Im Okt. 2011 nahmen die Architekten Schärf erneut umfangreiche Sanierungsarbeiten in Angriff. Der Dachstuhl wurde verstärkt, das Fundament musste trockengelegt werden,
Restaurierung der Natursteinbauteile sowie Rissenkoppelung, Neuverputz und Anstrich der
Fassade, wurde ausgeführt. Der schlechte Zustand des Turms zeigte sich erst nachdem man durch das Erstellen eines Gerüstes dicht genug heran kam. Die Eckpfosten der Glockenstube und des Holzwerks mussten ausgetauscht werden, ebenso der Schieferbelag. 

Das ursprüngliche Erscheinungsbild des Turms wurde wieder hergestellt. Turmhahn, Turmkreuz und Knaufkugel restaurierte man ebenfalls. Die Baukostenvon 412.000 Euro wurden von der Gemeinde, der Gesamtgemeinde und der Denkmalpflege getragen.


Zu den Apostel - Medaillons
Als Apostel bezeichnen wir die 12 Jünger Jesu, die sein Werk fortsetzen und das Evangelium verbreiten. Nach dem Verrat des Judas wählen die Jünger durch das Los Matthias als zwölften Apostel. Paulus zählt wegen seiner besonderen Berufung durch Jesus selbst auch zu den Aposteln und wird hinter Petrus an die zweite Stelle gesetzt.

Petrus:

Er hat einen Schlüssel in der Hand. Jesus verhieß ihm die Schlüssel des Himmelreichs. Der Hahn zeigt seine menschliche Schwäche an. Er hat Jesus nach der Gefangennahme im Hof des Hohenpriesters verleugnet. Beim Hahnenschrei erinnert er sich an die Vorhersage Jesu: In dieser Nacht wirst du mich dreimal verleugnen noch ehe der Hahn schreit.

Andreas:

Er gehört als Bruder des Petrus zu den ersten Jüngern. Er hat den Märtyrertod durch die Kreuzigung gefunden. Als Zeichen führt er ein X-förmiges Kreuz mit sich, das Andreas-Kreuz.

Jakobus d. Ä.:

Er war der Bruder des Johannes und leitete die erste Gemeinde in Jerusalem. Er ist unter Herodes enthauptet worden. Zum Zeichen dafür trug er früher ein Schwert bei sich. Seit dem 14. Jahrhundert ist er der Schutzpatron der Pilger und Wallfahrer und trägt einen Stab, Hut und Tasche mit sich.

Johannes:

Er gehörte zu den bevorzugten Jüngern. Er war beim Gebet auf dem Ölberg dabei und hatte eine Sonderstellung beim letzten Abendmahl. Auch bei der Kreuzigung war er anwesend. Er starb eines natürlichen Todes. Legenden berichten davon, dass er einen Giftbecher unbeschadet getrunken hat, deswegen den Kelch mit der Schlange.

Philippus:

Auch er starb den Tod am Kreuz und hat deswegen ein Kreuz als Zeichen.

Bartholomäus: 

Nach der Legende soll er den Märtyrertod durch abziehen der Haut und Enthauptung gefunden haben. So trägt er als Zeichen ein Messer bei sich. Er ist der Schutzheilige aller Gewerbe, die Häute verarbeiten wie Gerber, Schuhmacher, Fleischer. Er ist auch der Patron der Winzer im Blick auf das dort verwendete Messer.

Matthäus:

Über sein Leben ist wenig bekannt. Obwohl ihn einige Kirchen als Märtyrer 
verehren, starb er wohl einen natürlichen Tod.

Thomas:

Er bezweifelt im Johannes-Evangelium die Auferstehung Jesu. Nach den Thomas-Akten wurde er als Baumeister des Königs Gundoforus nach Indien berufen, deswegen sein Zeichen das Winkelmaß. Als er später das Bronzestandbild des Sonnengottes zum Schmelzen brachte, soll ihn der erzürnte Oberpriester mit einer Lanze durchbohrt haben. So wird ihm auch oft eine Lanze beigegeben.

Jakobus d. J.: 

Nach dem Tod des Paulus sollen ihn die Pharisäer auf die Zinnen des Tempels geführt haben, damit er seinen Glauben widerruft. Da er sich weigerte, wurde er hinabgestoßen, gesteinigt und mit der Walkerstange erschlagen. Statt des üblichen Attributs, der Rolle und des Buches, bekam Jakobus die Walkerstange.

Simon Zelotes:

Er soll zusammen mit Judas Thaddäus das Evangelium verbreitet haben. Dort soll er auch den Märtyrertod gefunden haben. So wird er mit Märtyrersymbolen abgebildet: Säge, Beil.

Judas Thaddäus:

Er wurde mit Simon Zelotes zusammen getötet und wird auch mit Marterinstrumenten dargestellt: Steine, Keule, Beil, Hellebarde.

Judas Ischarioth:

Er hat Jesus verraten und dafür Geld genommen, deswegen wird er mit einem Geldbeutel dargestellt.

Matthias:

Er wird als zwölfter Apostel durch das Los nach der Himmelfahrt Jesu gewählt. Er erleidet den Tod durch das Beil, am Kreuz oder gewaltlos. Er wird auch mit Marterinstrumenten dargestellt: Beil, Hellebarde, Steine oder Kreuz.

Paulus:

Er zählt durch seine besondere Berufung zu den Aposteln. Jesus erscheint ihm und stellt ihn in seinen Missionsdienst. Ein Buch oder die Schriftrolle kennzeichnen ihn als Autor der Paulus - Briefe. An seine Enthauptung erinnert das ihm beigegebene Schwert.

Petrus und Paulus wurden als Apostelfürsten besonders verehrt.

 

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